Wie sieht eine angemessene „Belohnung“ für gute Pflegequalität aus?
Erfolg soll sich lohnen, das ist unbestritten in unserer Gesellschaft. Auch in einer von sozialen Werten bestimmten Pflegelandschaft darf darüber nachgedacht werden, wie man erfolgreiche Pflege und damit vielleicht auch gute Pflegequalität belohnen kann.
Der Gesetzgeber hat mit dem in diesem Jahr inkraftgetretenen BEEP-Gesetz die Verlängerung des Prüfrhythmus auf zwei Jahre bei hohem Qualitätsniveau ab dem 1. Januar 2027 auch auf ambulante und teilstationäre Einrichtungen erweitert. Damit soll laut Gesetzesbegründung ein weiterer Anreiz für die Qualitätsbemühungen der Leistungserbringer (Pflegeeinrichtungen) geschaffen werden.
Diese ganzen Veränderungen scheinen auf den ersten Blick umfassend und sehr umfangreich. Wir wünschen uns, dass Pflegdienste wissen, welche Ziele, Chancen und Herausforderungen mit der neuen QPR ambulant verbunden sind und warum diese Richtlinien eine Chance zur Weiterentwicklung bieten.
Doch benötigt Pflege tatsächlich diesen Anreiz? Dies darf sicherlich hinterfragt werden, zumindest aus Sicht der Pflegenden. Denn Grundlage von guten Pflegeergebnissen ist bisher immer ein komplexer Pflegeprozess, begleitet durch ein professionelles Pflegemanagement sowie ausreichende, insbesondere personelle Ressourcen. Ob nun Pflegende es heute als erstrebenswert ansehen, durch gute Pflegeergebnisse im kommenden Jahr von einer Qualitätsprüfung „befreit“ zu werden, bleibt abzuwarten.
Den neuen Prüfrhythmus als Anreiz ansehen?
Ebenso bleibt in diesem Gedankengang unberücksichtigt, dass die Betrachtung der „Funktionalität der Pflege“ im Sinne eines externen Audits durchaus viele positive und vor allem auch bestätigende Aspekte hat. Der Aufwand für ein solches Verfahren ist unbestritten groß, der Nutzen für alle Beteiligten aber nicht von der Hand zu weisen. Qualitätsprüfungen sind in allen Bereichen unseres Alltags gegenwärtig und geben uns Sicherheit. Sie schaffen Transparenz und sind die Grundlage von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen. Welche Auswirkungen hier eine Verlängerung des Prüfrhythmus hat, bleibt abzuwarten.
Der vielleicht wichtigste Aspekt in der Betrachtung ist aber die Transparenz in der Pflege, die durch die Veröffentlichung der Ergebnisse geschaffen wird. Natürlich wissen wir alle, dass nicht jeder Kunde von professioneller Pflege vorab sich die Transparenzergebnisse der letzten Qualitätsprüfung anschaut. Aber man könnte es, und das gibt Sicherheit und Vertrauen. Ob wir zukünftig auf zwei Jahre alte Ergebnisse zur Leistungsfähigkeit einer Pflegeeinrichtung vertrauen wollen, bleibt dem Verbraucher überlassen.
Doch auch die fachliche Perspektive darf in der Betrachtung nicht außer Acht gelassen werden. Ist „schlechte“ Pflegequalität tatsächlich die Folge eines schleichenden Verschlechterungsprozesses, der sich über viele Jahre hinzieht? Oder ist die Ursache nicht vielmehr in plötzlichen und unerwarteten Veränderungen in der Pflegeeinrichtung selbst zu finden? Doch leider zeichnen sich diese nicht lange Zeit im Vorfeld an, sodass man auch bei einem zweijährigen Prüfrhythmus noch rechtzeitig einschreiten könnte.
Unsere Perspektive als Prüfdienst
Careproof hat als Prüfdienst der PKV bisher ca. 40.000 Qualitätsprüfungen durchgeführt, mit guten und weniger guten Ergebnissen. Eine Erkenntnis ist aber bei allen Qualitätsprüfern präsent: kleine Veränderungen in den Strukturen der Pflegeeinrichtung (zum Beispiel Wechsel Pflegedienstleitung) haben oft weitreichende Auswirkungen auf die Funktionalität und sind die häufigste Ursache für Pflegedefizite.
Selbstverständlich ist unsere Perspektive auf diese Fragen als Prüfdienst nicht neutral. Das möchten wir auch gar nicht behaupten. Wir möchten auch nicht noch einmal betonen, dass schon heute nicht jede Pflegeeinrichtung jährlich geprüft wird, da nicht alle Prüforganisationen die vorgegebene Prüfquote erreichen.
Uns ist es aber wichtig, dass wir ein gemeinsames Bild unseres Systems der Qualitätssicherung in der Pflege in Deutschland haben. Wir sind nicht nur Akteure, Pflegende, Kostenträger und Leistungserbringer. Wir sind auch alle Mitglieder einer Gesellschaft, die auf gute Pflegequalität vertrauen möchte. Und dabei kann Transparenz zu den Ergebnissen sehr viel beitragen.