Geschäftsführung Frank Schlerfer über 15 Jahre Careproof

Interview: spannende Einblicke in den Prüfdienst des Verbandes der PKV

Frank Schlerfer, Geschäftsführung Careproof

Frank Schlerfer, Geschäftsführung der Careproof GmbH

Am 1. April 2010 wurde der Prüfdienst der PKV gegründet und hat sich seitdem zu einem unverzichtbaren Akteur in der Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen entwickelt. Zum 1. Januar 2023 wurde unser Prüfdienst erfolgreich in die Careproof GmbH überführt. Ebenso haben wir aufgrund der großen Nachfrage ein neues Geschäftsfeld ins Leben gerufen: ein vielfältiges Seminarangebot für die Pflege.  

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens schauen wir auf eine beeindruckende Bilanz zurück: Ein engagiertes Team von 170 Mitarbeitenden hat über 40.000 Qualitätsprüfungen in stationären, teilstationären sowie ambulanten Pflegeeinrichtungen durchgeführt. 

Im Interview mit unserer Geschäftsführung erfahren Sie mehr spannende Dinge über unsere Organisation: über Erfolge, Herausforderungen, Unternehmenskultur und -geschichte, Teamgeist  sowie Entwicklungen in der Pflege. 

1. Was waren die größten Herausforderungen, als das Unternehmen gegründet wurde?

Erst einmal war es ein großes Privileg, für die Beteiligung des PKV-Verbandes an den Qualitätsprüfungen nach § 114 SGB XI eine neue Organisation gründen zu dürfen. Gleichzeitig war es sehr herausfordernd, dies innerhalb eines Verbandes zu machen, dessen Aufgaben bisher eher politischer als operativer Natur waren. Deshalb war die Gründungszeit nicht nur für den Prüfdienst, sondern auch für den gesamten PKV-Verband eine spannende Phase.

Ebenso waren die Qualitätsprüfungen bis 2010 eine Domäne der Medizinischen Dienste. Als neuer Player im System muss man sich seine Sporen erst einmal verdienen und alle Beteiligten davon überzeugen, dass man die Aufgabe auch bewältigen kann. Auch wenn Konkurrenz grundsätzlich erst einmal das Geschäft belebt.

Letztendlich war es aber auch ein bürokratischer Akt, denn sowohl auf Bundesebene als auch mit allen Landesverbänden der Pflegekassen musste für jedes Bundesland eine Vereinbarung zur Beteiligung der PKV an den Qualitätsprüfungen verhandelt werden.

Die schwierigste Aufgabe war es allerdings, eine Organisation mit über 100 Prüferinnen und Prüfern aufzubauen, obwohl die Prüfaufträge der Landesverbände der Pflegekassen noch einige Zeit auf sich warten ließen. Erst im September 2011 konnten wir operativ starten. Dann ging aber alles ganz schnell und wir waren bis zum Jahresende in nahezu allen Bundesländern aktiv.

2. Welche Meilensteine haben Sie in den vergangenen 15 Jahren als besonders prägend empfunden?

Manchmal denke ich, es waren nicht nur Meilensteine, sondern eine richtige Felsenlandschaft, die vor uns lag. Ich denke da an unsere Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 im Jahr 2011 - für eine noch so junge Organisation sehr anspruchsvoll. Genauso wie die Gewinnung, Einstellung und Einarbeitung von weit über 100 Prüferinnen und Prüfern innerhalb von 12 Monaten. Genauso anspruchsvoll waren die Verhandlungen im Jahr 2010 und 2011 auf Landes- und Bundesebene zum Abschluss der Vereinbarung zur Beteiligung der PKV an Qualitätsprüfungen. Im Nachhinein schon ein wenig paradox, denn in Wirklichkeit waren wir eine willkommene Unterstützung zur Sicherstellung der jährlichen Prüfungen.

3. Welches Projekt macht Sie am meisten stolz?

Besonders stolz bin ich auf unsere Prüfphilosophie, die wir bereits vor 15 Jahren in unseren Leitsätzen festgelegt haben und die uns bis heute prägen. Wenn geprüfte Einrichtungen davon berichten, dass der Prüfdienst der PKV auf Augenhöhe prüft und den beratungsorientierten Prüfansatz spürbar verkörpert, dann haben wir nicht alles verkehrt gemacht.

4. Gibt es besondere Momente in der Unternehmensgeschichte, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Da geht es mir wie vielen anderen Menschen: Die Corona-Pandemie hat auch den Prüfdienst der PKV nachhaltig verändert. Von einem Tag auf den anderen wurde die Durchführung von Qualitätsprüfungen ausgesetzt und wir mussten uns neu erfinden. Doch da wir alle aus der Praxis kommen und diese Perspektive nicht vergessen haben, schauten wir einfach, wie wir am besten helfen konnten. Also haben wir ein Kriseninterventionsteam gebildet, welches Einrichtungen in dieser Akutphase mit Rat und Tat zur Seite stand.

Ebenso haben wir allen unseren Mitarbeitenden ermöglicht, unbürokratisch und schnell ehrenamtlich in Pflegeeinrichtungen oder anderen Organisationen des Gesundheitswesens zu unterstützen. Am Ende konnten wir circa 28.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit der Pflege zur Verfügung stellen. Das war unser kleiner Beitrag als Prüfdienst der PKV zur Bewältigung dieser großen Krise.

Aber wir wollten nicht nur Einrichtungen in Not zur Seite stehen. Auch die Weiterentwicklung sollte aufrechterhalten werden. In der Corona-Pandemie mussten viele Schulungen in Pflegeeinrichtungen abgesagt werden, da keine Referenten zur Verfügung standen. Aber gerade in dieser Zeit war der Fortbildungsbedarf sehr groß.

Also haben wir eine Aktion gestartet, in der wir 100 ganztägige Schulungen durch unsere eigenen Referentinnen und Referenten an Pflegeeinrichtungen verschenkt haben. Dies hat ein Stück Normalität wiederhergestellt und gleichzeitig auch gezeigt, dass wir durchaus mehr können als „nur“ zu prüfen. Aber unsere Mitarbeitenden hatten mindestens genauso viel Freude wie die Einrichtungen.

5. Wie hat sich die Unternehmenskultur im Laufe der Jahre entwickelt?

Kultur ist das Herz und die Seele einer Organisation. Deshalb war es sehr wichtig, bereits zur Gründung der Organisation die Eckpfeiler zur Unternehmenskultur zu definieren und allen Mitarbeitenden diese Unternehmensphilosophie mit auf den Weg zu geben. Natürlich ist die Kultur von Unternehmen nicht statisch und entwickelt sich permanent weiter. Aber wesentliche Elemente der Gründungszeit finden sich noch heute in der Organisation wieder.

6. Welche Werte sind für das Unternehmen nach wie vor zentral?

Der wichtigste Wert ist sicherlich, dass wir uns als Partner der zu prüfenden Pflegeeinrichtungen verstehen. Das mag für einen Prüfdienst auf den ersten Blick erst einmal irritierend wirken, ist aber der Schlüssel zum Erfolg. Es gibt den etwas „platten“ Satz, dass man Qualität nicht in Organisationen hinein prüfen kann. Deshalb entspricht es unserer Philosophie, auf Augenhöhe mit den Einrichtungen zu kommunizieren.

Wir sind in unseren Bewertungen völlig transparent, erfassen gemeinsam mit den Einrichtungsvertretern möglichst realitätsnah die Qualität der Versorgung und sprechen offen über Entwicklungspotenziale zur Verbesserung. Dies unterstützt Pflegeeinrichtungen bei ihren eigenen Bemühungen, die Pflegequalität zu verbessern.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass dieser Verbesserungsprozess nur funktionieren kann, wenn man die Gesprächspartnerinnen und -partner in der Qualitätsprüfung mit den Beratungsinhalten erreicht. Dafür benötigen Prüferinnen und Prüfer Zeit, Fachkompetenz, Erfahrung und Kommunikationsgeschick. Diese Rahmenbedingungen stellen wir in Qualitätsprüfungen zur Verfügung.

7. Wie wichtig sind die Mitarbeitenden für den Erfolg des Unternehmens?

Die Mitarbeitenden von Careproof sind das Rückgrat der Organisation. Ohne die Einsatzbereitschaft, das Engagement und die Leidenschaft eines jeden Einzelnen wäre der Prüfdienst nicht erfolgreich. Deshalb ist es unser Anspruch, immer die richtigen Menschen für die Tätigkeit als Qualitätsprüferinnen und -prüfer zu finden. Gleichzeitig versuchen wir, durch die Bereitstellung bestmöglicher Rahmenbedingungen, die Voraussetzungen für exzellente Arbeitsergebnisse zu schaffen. Die Mitarbeitenden genießen in ihrer Arbeit ein Höchstmaß an Autarkie und Autonomie. Ich vertraue fest darauf, dass jede Prüferin und jeder Prüfer fachgerecht und angemessen mit diesem Vertrauen umgehen.

8. Wo sehen Sie das Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Ich bin mir sicher, dass sich Art, Inhalt und Methoden der Qualitätsprüfungen in den nächsten fünf bis zehn Jahren umfangreich verändern werden. Wir beschäftigen uns bereits heute intensiv mit den Möglichkeiten, durch Digitalisierung von Prozessen und den Einsatz von KI, Qualitätsprüfungen ressourcensparender und effizienter zu gestalten. Pflegequalität ist uns allen wichtig, deshalb wird eine Transparenz von Pflegeergebnissen auch zukünftig von Bedeutung sein. Das Verfahren selbst - von der Beauftragung bis zum Prüfbericht -, birgt aber enorm viel Potenzial zur Weiterentwicklung. Nicht ersetzbar wird jedoch der wertvolle Austausch zwischen Pflegekräften im Rahmen der Prüfung sein, auch wenn der Fachdialog zukünftig sicherlich digital unterstützt werden kann.

9. Welche Veränderungen in der Branche könnten das Unternehmen in Zukunft beeinflussen?

Es zeichnet sich heute bereits deutlich ab, dass unsere derzeitige Sichtweise von Langzeitpflege mit der Kategorisierung nach vollstationär, teilstationär und ambulant nicht tragfähig für die Zukunft ist. Weitere Formen der Versorgung stehen im Raum und müssen konzeptionell und vertragsrechtlich in ein gesundes Fundament zur Leistungserbringung münden. Die Attraktivität zum Betrieb professioneller Langzeitpflege darf nicht weiter sinken, denn sonst wird es bald zu wenig Angebote geben. Pflege darf nicht zur Mangelware werden, sonst wird Pflegequalität nicht mehr im Mittelpunkt stehen, sondern die reine Verfügbarkeit professioneller Pflege wird den Verbraucher lenken.

10. Gibt es Personen oder Gruppen, denen Sie besonders danken möchten?

Mein Dank gilt allen Mitarbeitenden von Careproof, egal ob sie seit 15 Jahren mich auf meinem Weg begleiten oder gerade erst vor wenigen Wochen zu Careproof gekommen sind. Es ist für mich ein großes Privileg, mit und für Menschen zu arbeiten, die mit mir eine gemeinsame Philosophie teilen.

Careproof ist nur erfolgreich, weil die richtigen Menschen sich zusammengefunden haben, um Besonderes zu bewirken. Dafür bin ich dankbar.

Ebenso danke ich aber allen Wegbegleitern, ohne die der Erfolg nicht möglich gewesen wäre. In erster Linie sind es die Mitgliedsunternehmen des PKV-Verbandes, die Careproof die nötigen Rahmenbedingen ermöglichen, um die besondere Unternehmensphilosophie auch leben zu können. Das ist keine Selbstverständlichkeit und dafür ist die gesamte Organisation dankbar.

11. Was haben Sie persönlich aus diesen 15 Jahren gelernt?

Ich habe gelernt, dass es möglich ist, Visionen zu verwirklichen. Mein Traum, eine Organisation zu schaffen, welche die Menschen in den Mittelpunkt stellt, ist Realität geworden. Dennoch muss man an der einen oder anderen Stelle Kompromisse eingehen, um den Fortbestand der Organisation nicht zu gefährden.

Ebenso musste ich lernen, dass Entwicklung in der Pflege nicht nur vom Willen, sondern vor allem auch von Zeit abhängig ist. Auch wenn sich alle Beteiligten einig sind, den Weg der Veränderung zu gehen, ist es in unserer Gesellschaft sehr zeitaufwändig, in die Umsetzung zu kommen. Die Interessen der Beteiligten der Pflege sind grundsätzlich gar nicht so weit voreinander entfernt, trotzdem nehmen wir uns innerhalb unserer Strukturen in der Pflege (Selbstverwaltung) sehr viel Zeit, kontrovers darüber zu sprechen, anstatt es manchmal einfach nur zu machen.

Mein Vorbild sind hier die Pflegenden selbst, die in dem Wissen der Verantwortlichkeit für die Pflegebedürftigen unverzüglich Entscheidungen treffen und in die Umsetzung gehen. Daran können wir uns alle manchmal ein Beispiel nehmen.

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